Dank an die Fans
„Wir alle sind glücklich“, begann Ralf Bader seinen Eingangssatz in der Pressekonferenz nach dem Spiel, „dass wir nach so langer Zeit wieder zu Hause spielen durften.“ Auch wenn er es sich nicht ganz so spannend gewünscht hätte, strahlte er angesichts der tollen Unterstützung von den Rängen gerade in den schwierigen Phasen und meinte: „Das pusht uns unglaublich. Das hat man in der Schlussphase gespürt.“ Somit galt ein großer Dank den HSG-Fans, die zur Stelle waren, als seine Mannschaft nach dem üblichen Muster doch noch einmal um die Punkte bangen musste. Trotz vieler Gelegenheiten, trotz deutlicherer optischer Überlegenheit, trotz einer sehr agilen, sehr starken Defensivreihe, die in der ersten Torwart Adam Studentkoswki ins Spiel brachte und am Schluss Konstantin Pauli zwischen den Pfosten im HSG-Tor brillieren ließ.
„Es war zäh“
Bader brachte es in wenigen Worten auf den Punkt. „Es war zäh“, gestand er. Zäh, weil sich der Gegner als der erwartet unangenehme Aufsteiger präsentierte. Ohne Druck, völlig befreit und frech aufspielend. Immer, wenn die HSG den Gästen Chancen offerierte, waren sie da. Etwa hellwach mit einigen Steals, als die Konstanzer leichtfertig den Ball verloren und mit leichten Kontertoren bestraft wurden. Dies war aus Sicht der Gelb-Blauen umso ärgerlicher, als sie den auf einer Euphoriewelle reitenden Vorjahresmeister der Regionalliga Baden-Württemberg im Positionsspiel buchstäblich im Griff hatten. An der offensiven Verteidigung der Konstanzer bissen sich die Württemberger regelrecht die Zähne aus. Umso mehr spielten ihnen die Ballgewinne nach technischen Fehlern und die Kontertore in die Karten.
Siebter Feldspieler wird zu wenig bestraft
Es brauchte somit zehn Minuten, bis sich Neuzugang Philipp Hlawatsch in seinem ersten Heimspiel in der Schänzle-Hölle mit einer Willensleistung durchtanken und zum 4:4 ausgleichen konnte. Jan Stotten stellte nach neuerlichem Rückstand nach 15 Minuten wieder auf pari pari (8). Danach konnten die Konstanzer ihre spürbare Anfangsnervosität langsam ablegen. Der nach dem Spiel von den Fans zum Spieler des Spiels gewählte Lars Michelberger erhöhte auf drei Tore Vorsprung. Doch wie schon in den vorangegangenen Partien – insbesondere bei der Niederlage in Regensburg – belohnten sich die Konstanzer viel zu wenig für ihren hohen Einsatz in der Deckung. Weil es für das Team von Aaron Fröhlich sonst kaum ein Durchkommen mehr gab, setzte dieser auf den siebten Feldspieler. Die Gastgeber setzten jedoch schon vor der Pause nach Ballgewinnen zwei Würfe auf das leere TSB-Tor am Gebälk vorbei.
Crunchtime gehört der HSG
„Wir sind in der Abwehr im Eins-gegen-Eins aktuell super drauf“, lobte der HSG-Coach – und musste beim nächsten Atemzug tief ausatmen. „Aber“, so der 45-Jährige, „wir machen auch ein paar Fehler, die wir nicht machen wollen.“ Diese führten zum 20:20-Ausgelich nach knapp 41 Spielminuten und dazu, dass die HSG nach einem eigenen 3:0-Lauf direkt einen vom Gegner zum 23:23 hinnehmen musste. Es war sie oft bei der HSG. Ein wildes Auf und Ab der Gefühle, ein Ritt auf der Rasierklinge, eine wilde Achterbahnfahrt – auch für die lautstark mitgehenden Fans auf der Tribüne. In der Schlussphase war es dann wieder Anführer Michelberger, der viel Verantwortung übernahm und mit seinen insgesamt neun Toren den Weg Richtung Heimsieg ebnete (29:25/56.). Ein Erfolg, der anschließend nicht mehr in Gefahr geriet und die wichtige Erkenntnis brachte, dass dieses Mal die Crunchtime nach Ausgleich und schwieriger Phase ganz den Gelb-Blauen gehörte.
„Das ist ein toller Haufen, mit dem es mir echt viel Spaß macht zu arbeiten“
Bader hob hier Hlawatsch hervor, der „den Hintern in der Hose hatte, voll ins Eins-gegen-Eins zu gehen und das Ding am Ende entschieden hat“, so der Konstanzer Trainer. Noch laufe es nicht in allen Bereichen rund, doch er sieht seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. „Es geht Schritt für Schritt in den nächsten Wochen. Die Jungs geben alles und wollen ihren besten Handball zeigen. Das ist ein toller Haufen, mit dem es mir echt viel Spaß macht zu arbeiten.“
„In den richtigen Momenten den Mut, die Zweikämpfe zu führen“
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht konnte auch Spielmacher Hlawatsch nach seiner Pflichtspiel-Premiere in der Schänzle-Hölle über die Bedeutung des Erfolges in die Notizblöcke diktieren, dass es „wichtig war, nach den letzten Spielen, dass die Crunchtime uns gehört hat. Wir hatten in den richtigen Momenten den Mut, die Zweikämpfe zu führen, wichtige Paraden und eine funktionierende Abwehr. Das hat richtig Spaß gemacht.“
Derbywochen
Nun brechen die Derbywochen für die HSG Konstanz an. Zunächst am Samstag bei der HSG Albstadt mit Gregor Thomann, am 9. Oktober um 20 Uhr wieder in der Schänzle-Hölle gegen den HBW Balingen-Weilstetten II.
HSG Konstanz: Konstantin Pauli, Adam Studentkowsk (beide Tor); Michel Stotz, Aron Czako (4/3), Sven Iberl (1), Lars Michelberger (9/3), Philipp Hlawatsch (5), Jo Knipp (2), Maxim Pliuto (3), Jan Stotten (2), Nikita Pliuto (5), Lukas Dietrich, Janne Pietrusky (1).
Zuschauer: 550.
Quelle: PM HSG Konstanz